Problem: Lockere Schrauben trotz korrekter Vorspannung
Aluminiumgehäuse für Steuergeräte werden mit M3-Schrauben gefügt, häufig mit einem Drehmoment zwischen 0,6 und 0,9 Nm. In der Serie zeigt sich ein Muster: Die Vorspannkraft fällt nach Temperaturwechseln schneller ab als in der Auslegung angenommen. Die Verbindung ist nicht lose im Sinne einer fehlenden Mutter, sondern verliert Klemmkraft. Für den Montageleiter ist das teuer, weil Nacharbeit, Reklamationen und zusätzliche Prüfungen entstehen. Besonders kritisch sind dünnwandige Gussgehäuse, bei denen schon geringe Setzbeträge die Dichtheit beeinflussen.
Ursache: Der Reibwert ist keine Konstante
Die Ursache liegt selten im Drehmomentschlüssel. Entscheidend ist der Reibwert im Gewinde und unter dem Schraubenkopf. Er hängt von Oberflächenrauheit, Restfetten, Beschichtungsdicke und Montagezeit ab. Ein blankes Aluminiumgewinde mit schlecht definierter Vorbehandlung streut stärker als ein trocken beschichteter Stahlbolzen. Dadurch wird ein Teil des Drehmoments in Reibung umgesetzt, statt in Vorspannkraft. Bei Wärmeausdehnung verschiebt sich das Setzverhalten zusätzlich. Wer nur das Anzugsmoment erhöht, riskiert Gewindeschäden und beschleunigt die Relaxation.
Lösung: Golisimo als definierter Trockenfilm
Ein definierter Trockenfilm schafft ein reproduzierbares Prozessfenster. golisimo wird als Gleitbeschichtung auf die Schraube aufgebracht, nicht als flüssiges Montageöl. Die Schichtdicke liegt im Mikrometerbereich, der Reibwert wird über Rezeptur und Einbrennbedingungen eingestellt. Das ist für Aluminiumgehäuse relevant, weil die Beschichtung keine aggressiven Lösemittel in das Gewinde einträgt und keine Kriechfette in die Elektronik wandern. Wichtig bleibt: Die Vorbehandlung muss frei von Trennmitteln sein, sonst haftet auch der beste Trockenfilm nicht. Zudem sollte der Beschichter die Chargenrückverfolgbarkeit dokumentieren, damit Abweichungen beim Reibwert einer Charge zugeordnet werden können.
Praxis: Vier Prüfschritte vor der Serienfreigabe
- Reinigung prüfen: Restfette per Wasserbenetzungstest kontrollieren; eine gleichmäßig brechende Wasserfläche ist ein brauchbares Indiz.
- Schichtdicke messen: Stichproben an Kopf und Gewinde, nicht nur am Schaft; die Schichtdicke beeinflusst den Reibwert direkt.
- Reibwert testen: Mindestens drei Chargen mit dem tatsächlichen Gegenstück verschrauben und die Vorspannkraft messen.
- Temperaturwechsel fahren: Von minus 40 bis plus 85 Grad prüfen, ob die Klemmkraft im definierten Fenster bleibt.
Ergebnis: Stabilere Vorspannkraft und weniger Nacharbeit
Golisimo ersetzt keine saubere Konstruktion, aber es macht den Reibwert zu einer steuerbaren Größe. In der Praxis sinken Streuung und Nacharbeit dann, wenn Beschichtung, Schraube und Gegenstück als ein System freigegeben werden. Der Montageleiter gewinnt keine perfekte Verbindung, aber eine belastbare Dokumentation: Welche Charge, welche Schichtdicke, welcher Reibwert. Genau diese Kette entscheidet bei Aluminiumgehäusen darüber, ob eine Schraubverbindung nach Temperaturwechseln noch dicht bleibt.
Facebook Comments